0800-Nummer in der Schweiz: Kosten, Beantragung und Alternativen für KMU
Eine 0800-Nummer sendet ein klares Signal: Rufen Sie uns an, es kostet Sie nichts. Grosse Versicherungen, Krankenkassen und Online-Shops setzen seit Jahrzehnten darauf. Aber wie funktionieren diese Nummern eigentlich? Wer bezahlt den Anruf, wenn nicht der Anrufer? Und lohnt sich eine eigene 0800-Nummer auch für ein KMU mit zehn Anrufen pro Tag?
Dieser Guide beantwortet alle Fragen rund um 0800-Nummern in der Schweiz: was sie kosten, wie sie sich von 0848- und 0900-Nummern unterscheiden, wie Sie eine eigene Nummer beim BAKOM beantragen und welche Alternativen es gibt. Und am Ende klären wir die Frage, die wichtiger ist als die Nummer selbst: Wer nimmt eigentlich ab, wenn es klingelt?
Kurz und bündig: Anrufe auf 0800-Nummern sind für Anrufende gratis, seit Juli 2015 auch vom Handy und mit Prepaid. Die Gesprächskosten trägt das Unternehmen, dem die Nummer gehört. Zugeteilt werden 0800-Nummern vom BAKOM: einmalig CHF 90 Zuteilungsgebühr plus eine jährliche Verwaltungsgebühr (CHF 42 pro Inhaberin und Rechnungsadresse plus CHF 12 pro Nummer). Für den Betrieb brauchen Sie zusätzlich eine Fernmeldedienstanbieterin, die die Nummer aufschaltet. Nicht verwechseln: 084x-Nummern kosten die Anrufenden bis zu 7.5 Rappen pro Minute, 090x-Nummern sind kostenpflichtige Mehrwertdienste.
Was ist eine 0800-Nummer?
0800-Nummern sind die Schweizer Gratisnummern, im Fachjargon "Freephone". Das Prinzip ist eine Umkehr der normalen Kostenlogik: Beim gewöhnlichen Anruf bezahlt, wer anruft. Bei der 0800-Nummer bezahlt, wer angerufen wird. Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) hält ausdrücklich fest: Anrufe auf diese Nummern sind für die Anrufenden gratis, die Kosten trägt die Inhaberin der Nummer.
0800-Nummern sind ortsunabhängig. Anders als eine 044- oder 071-Nummer verraten sie nicht, wo ein Unternehmen sitzt, und sie ziehen problemlos mit, wenn das Unternehmen den Standort wechselt. Technisch ist die 0800-Nummer eine Art Umleitung: Sie zeigt auf einen bestehenden Anschluss, also auf Ihr Festnetz, Ihre Telefonanlage oder ein Handy. Wer die 0800-Nummer wählt, landet dort, ohne es zu merken.
Genutzt werden 0800-Nummern vor allem als Kundendienst- und Bestellnummern: Die Hürde zum Anruf soll so tief wie möglich sein. Eine kompakte Einordnung, welche Nummerntypen es für Firmen sonst noch gibt, finden Sie im Glossar unter Was ist eine Geschäftsnummer?
Kostet der Anruf auf eine 0800-Nummer vom Handy etwas?
Nein. Seit dem 1. Juli 2015 schreibt die Verordnung über Fernmeldedienste (FDV) vor, dass Anrufe auf 0800-Nummern für die Anrufenden kostenlos sein müssen, unabhängig davon, ob sie vom Festnetz oder vom Mobiltelefon erfolgen. Das gilt auch für Prepaid-Kundinnen und -Kunden.
Diese Klarstellung war nötig, weil Mobilfunkanbieter vor 2015 für Anrufe auf 0800-Nummern teilweise Gebühren verlangen durften, gerade im Prepaid-Bereich eine klassische Kostenfalle. Heute gilt ohne Ausnahme: Wer aus der Schweiz eine 0800-Nummer wählt, bezahlt nichts. Vorsicht ist nur im Ausland geboten: Wer aus dem Ausland eine Schweizer 0800-Nummer anruft, fällt nicht unter die Schweizer Regelung; je nach Land und Anbieter ist die Nummer gar nicht erreichbar oder der Anruf kostet Roaming- beziehungsweise Auslandtarif.
Was ist der Unterschied zwischen 0800, 084x und 090x?
Die drei Nummerngassen werden ständig verwechselt, dabei könnten sie unterschiedlicher kaum sein. Entscheidend ist jeweils, wer bezahlt:
0800 (Freephone): Das Unternehmen bezahlt alles. Der Anruf ist für Anrufende gratis, die Gesprächskosten übernimmt vollständig die Inhaberin der Nummer.
0840, 0842, 0844, 0848 (geteilte Kosten): Beide bezahlen. Bei diesen sogenannten Gebührenteilungsnummern bezahlen Anrufende einen einheitlichen Preis, unabhängig vom Ort innerhalb der Schweiz, gemäss BAKOM höchstens 7.5 Rappen pro Minute (plus Mehrwertsteuer). Wichtig zu wissen: Diese Anrufe sind in vielen Flatrate-Abos nicht inbegriffen und werden separat verrechnet. Eine 0848-Nummer ist also keine Gratisnummer, auch wenn sie auf den ersten Blick ähnlich aussieht.
0900, 0901, 0906 (Mehrwertdienste): Die Anrufenden bezahlen, und zwar deutlich. Diese Nummern sind kostenpflichtige Dienstleistungen: 0900 für geschäftliche Dienste und Beratung, 0901 für Unterhaltung wie Spiele und Wettbewerbe, 0906 für Erwachsenenunterhaltung. Die Preise legt die Anbieterin fest, sie müssen aber nach den Vorschriften der Preisbekanntgabeverordnung zu Beginn des Anrufs angesagt werden. Für ein KMU, das erreichbar sein will, sind 090x-Nummern keine Option, sie sind ein eigenes Geschäftsmodell.
Die Faustregel für Ihre Kundschaft: 0800 ist gratis, 084x kostet ein wenig, 090x kostet richtig. Genau deshalb hat die 0800-Nummer das beste Image der drei Gassen.
Was kostet eine 0800-Nummer für das Unternehmen?
Die Kosten bestehen aus zwei Teilen: den Gebühren des BAKOM für die Nummer selbst und den Betriebskosten bei Ihrer Telefonanbieterin.
Die BAKOM-Gebühren sind in der Verordnung über die Gebühren im Fernmeldebereich (GebV-FMG) festgelegt und überschaubar: Die erstmalige Zuteilung einer Einzelnummer kostet einmalig CHF 90. Dazu kommt ab dem Folgejahr eine jährliche Verwaltungsgebühr von CHF 42 pro Inhaberin und Rechnungsadresse plus CHF 12 pro Einzelnummer. Wer eine einzelne 0800-Nummer hält, bezahlt dem Bund also CHF 54 pro Jahr.
Die Betriebskosten sind der grössere Posten. Die zugeteilte Nummer muss von einer Fernmeldedienstanbieterin aufgeschaltet und auf Ihren Anschluss geleitet werden. Dafür fallen je nach Anbieterin eine Aufschaltgebühr, eine monatliche Grundgebühr und vor allem Minutenpreise an: Sie bezahlen für jede Minute, die Ihre Kundschaft mit Ihnen telefoniert, denn genau das ist das Versprechen der Gratisnummer. Die Tarife unterscheiden sich von Anbieterin zu Anbieterin deutlich. Holen Sie vor dem Entscheid zwei, drei Offerten ein und rechnen Sie mit Ihrem realen Anrufvolumen.
Wie beantragen Sie eine eigene 0800-Nummer?
0800-Nummern werden in der Schweiz zentral vom BAKOM zugeteilt, nicht von den Telefonanbietern. Der Weg zur eigenen Nummer sieht so aus:
Schritt 1: Freie Nummer suchen. Über das eGovernment-Portal des Bundes (egov.swiss) können Sie prüfen, welche Nummern noch frei sind, und Wunschnummern suchen.
Schritt 2: Zuteilungsgesuch stellen. Das Gesuch reichen Sie elektronisch über das Portal oder mit dem Formular des BAKOM ein. Möglich ist das für Unternehmen, Vereine und Privatpersonen. Die Zuteilung kostet die erwähnten CHF 90.
Schritt 3: Verfügung abwarten. Das BAKOM teilt die Nummer per Verfügung zu. Damit sind Sie Inhaberin der Nummer, unabhängig von jeder Telefonanbieterin. Das ist ein unterschätzter Vorteil: Die Nummer gehört Ihnen, Sie können die Anbieterin später wechseln, ohne die Nummer zu verlieren.
Schritt 4: Nummer aufschalten lassen. Mit der Zuteilungsverfügung gehen Sie zu einer Fernmeldedienstanbieterin Ihrer Wahl und lassen die Nummer aktivieren und auf Ihren bestehenden Anschluss leiten. Beachten Sie, dass zugeteilte Nummern innert der vom BAKOM gesetzten Frist in Betrieb genommen werden müssen; eine Nummer auf Vorrat horten geht nicht.
Manche Anbieterinnen übernehmen auf Wunsch auch das Zuteilungsgesuch für Sie. Achten Sie dabei darauf, dass die Nummer auf Sie als Inhaberin eingetragen wird.
Lohnt sich eine 0800-Nummer für ein KMU?
Die ehrliche Antwort: Es kommt auf Ihr Geschäftsmodell an.
Eine 0800-Nummer lohnt sich, wenn Sie aktiv Anrufe gewinnen wollen und jede Hürde zählt: Bestellhotlines, Kundendienst mit hohem Anrufvolumen, nationale Tätigkeit ohne regionalen Bezug, Inserate und Plakate, bei denen die Gratisnummer als Werbebotschaft wirkt. Das Signal "dieser Anruf kostet Sie nichts" senkt die Hemmschwelle messbar, gerade bei Neukundschaft.
Eine 0800-Nummer ist verzichtbar, wenn Ihre Kundschaft ohnehin eine Flatrate hat und regional verankert ist. Für die Schreinerei in Winterthur oder die Praxis in Chur wirkt eine lokale Nummer oft vertrauenswürdiger als eine anonyme Gratisnummer, und der Anruf kostet die Kundschaft mit Flatrate so oder so nichts. Die Minutenkosten, die Sie als Inhaberin tragen, kaufen Ihnen in diesem Fall wenig.
Dazwischen liegt eine Variante, die viele übersehen: die 0800-Nummer als Zweitnummer. Die lokale Nummer bleibt das Hauptgesicht, die Gratisnummer kommt gezielt dort zum Einsatz, wo Sie Anrufe maximieren wollen, etwa in einer Werbekampagne, deren Rücklauf Sie dann auch sauber messen können.
Welche Alternativen gibt es zur 0800-Nummer?
058-Nummern: Die Gasse 058 ist für ortsunabhängige Geschäftsnummern reserviert. Anrufe darauf kosten die Anrufenden den normalen Nationaltarif und sind in den üblichen Flatrates inbegriffen. Für das Unternehmen entfallen die Minutenkosten der Gratisnummer. 058 ist damit der pragmatische Mittelweg: schweizweit einheitlich, standortunabhängig, ohne Gratis-Marketingeffekt, aber auch ohne laufende Gesprächskosten.
Lokale Nummern (044, 031, 061, ...): Für regional tätige KMU bleibt die Ortsnummer die stärkste Wahl. Sie schafft Nähe und Vertrauen, kostet wenig und lässt sich beim Anbieterwechsel mitnehmen (siehe Was ist Rufnummer-Portierung?).
Virtuelle Nummern mit intelligenter Anrufannahme: Die Nummerngasse ist am Ende nur die Adresse. Moderne Telefonie-Lösungen kombinieren eine beliebige Nummer mit automatischer Annahme, Weiterleitung und Terminbuchung, dazu gleich mehr.
Die Nummer ist nur die halbe Miete
Hier liegt der blinde Fleck vieler Nummern-Projekte: Eine 0800-Nummer senkt die Hürde zum Anruf, aber sie beantwortet keinen einzigen. Wenn die Gratisnummer in die Warteschleife, auf den Anrufbeantworter oder ins Leere führt, haben Sie für die Enttäuschung Ihrer Kundschaft auch noch die Gesprächsminuten bezahlt. Wie teuer unbeantwortete Anrufe für Schweizer KMU tatsächlich sind, haben wir im Beitrag Verpasste Anrufe kosten Schweizer KMU Tausende pro Jahr vorgerechnet.
Die Reihenfolge sollte deshalb umgekehrt sein: zuerst die Annahme klären, dann die Nummer wählen. Ein KI-Telefonassistent nimmt jeden Anruf auf Ihrer Nummer entgegen, egal ob 0800, 058 oder Ortsnummer: Er begrüsst Anrufende mit dem Namen Ihrer Firma, beantwortet Fragen zu Öffnungszeiten, Preisen und Dienstleistungen, bucht Termine direkt in Ihren Kalender und fasst jedes Gespräch zusammen. Rund um die Uhr, auch dann, wenn die Kampagne läuft und niemand im Büro sitzt.
fonea ausprobieren: Eine Nummer, die niemand abnimmt, ist nur eine teure Visitenkarte. fonea nimmt jeden Anruf entgegen, beantwortet Fragen und bucht Termine, ab CHF 90 pro Monat, eingerichtet in unter einer Stunde. Mehr dazu auf unserer Seite zum Telefonservice.
Key Takeaways
- 0800-Nummern sind für Anrufende gratis, seit Juli 2015 auch vom Handy und mit Prepaid. Die Gesprächskosten trägt vollständig das Unternehmen.
- Nicht verwechseln: 084x-Nummern kosten Anrufende bis zu 7.5 Rappen pro Minute und sind in Flatrates oft nicht inbegriffen; 090x-Nummern sind kostenpflichtige Mehrwertdienste.
- Zuteilung läuft über das BAKOM: einmalig CHF 90, danach jährlich CHF 42 pro Inhaberin und Rechnungsadresse plus CHF 12 pro Nummer. Die Nummer gehört Ihnen, nicht der Telefonanbieterin.
- Betriebskosten einrechnen: Aufschaltung, Grundgebühr und Minutenpreise bei der Fernmeldedienstanbieterin machen den Hauptteil der Kosten aus.
- Für regionale KMU ist eine lokale Nummer oder eine 058-Nummer oft die bessere Wahl als die Gratisnummer.
- Die Nummer löst kein Erreichbarkeitsproblem. Wer Anrufe gewinnt, muss sie auch annehmen, sonst bezahlen Sie für verlorene Kundschaft doppelt.
Häufig gestellte Fragen
Sind 0800-Nummern wirklich immer gratis für Anrufende?
Innerhalb der Schweiz ja, vom Festnetz, vom Handy und mit Prepaid. Die Fernmeldedienstverordnung schreibt das seit dem 1. Juli 2015 verbindlich vor. Nur Anrufe aus dem Ausland auf eine Schweizer 0800-Nummer fallen nicht unter diese Regelung.
Wer darf eine 0800-Nummer beantragen?
Unternehmen, Organisationen und auch Privatpersonen können beim BAKOM ein Zuteilungsgesuch stellen, am einfachsten elektronisch über das eGovernment-Portal des Bundes. Die Zuteilung erfolgt per Verfügung und kostet einmalig CHF 90.
Was kostet eine 0848-Nummer die Anrufenden?
Bei den Gebührenteilungsnummern 0840, 0842, 0844 und 0848 bezahlen Anrufende einen schweizweit einheitlichen Tarif von höchstens 7.5 Rappen pro Minute plus Mehrwertsteuer. Achtung: Diese Anrufe sind in vielen Flatrate-Abos nicht inbegriffen.
Kann ich meine 0800-Nummer zu einer anderen Anbieterin mitnehmen?
Ja. Die Nummer ist Ihnen vom BAKOM persönlich zugeteilt und gehört nicht der Telefonanbieterin. Beim Wechsel lassen Sie die Nummer einfach bei der neuen Anbieterin aufschalten; die Zuteilungsverfügung bleibt unverändert.
Funktioniert ein KI-Telefonassistent auch mit einer 0800-Nummer?
Ja. Der Assistent wird wie jedes andere Ziel hinter die Nummer geschaltet: Die 0800-Nummer leitet auf die fonea-Nummer, und der Assistent nimmt ab, beantwortet Fragen und bucht Termine. Dasselbe funktioniert mit 058-Nummern und lokalen Nummern, auch als Umleitung nur bei Nichtannahme, wie im Beitrag Rufumleitung einrichten beschrieben.
Verwandte Begriffe im Glossar
- Was ist eine Geschäftsnummer?
- Was ist eine Hotline?
- Was ist Rufnummer-Portierung?
- Was ist ein KI-Telefonassistent?
Quellen
- BAKOM, Einzelnummern (0800, 084x, 090x), Zuteilung und Formulare: bakom.admin.ch
- BAKOM, Weitere Nummern: kostenpflichtig oder gratis?: bakom.admin.ch
- Verordnung über die Gebühren im Fernmeldebereich (GebV-FMG, SR 784.106), Art. 45-46: fedlex.admin.ch
- Verordnung über Fernmeldedienste (FDV, SR 784.101.1): fedlex.admin.ch
- eGovernment-Portal des Bundes, Einzelnummer beantragen: egov.swiss
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