MPA-Mangel in der Schweiz: Zahlen 2026 und was Praxen tun können

Semir JahicSemir Jahic··10 Min. Lesezeit
Auswertung von Arbeitsmarktzahlen zum MPA-Mangel in der Schweiz

*Zuletzt aktualisiert: 10. Juli 2026*

Wer 2026 eine medizinische Praxisassistentin sucht, kennt das Muster: Die Stelle ist ausgeschrieben, die Bewerbungen bleiben aus, und das bestehende Team stemmt derweil den Mehraufwand. Der MPA-Mangel ist kein gefühltes Problem mehr, sondern statistisch belegt. Dieser Artikel trägt die Zahlen zusammen — und zeigt, welche Handlungsoptionen Praxen tatsächlich haben.

Kurz und bündig: Eine INFRAS-Studie für den Kanton Zürich beziffert die Lücke auf rund 12 fehlende MPAs pro 100 Ärztinnen und Ärzte; allein im Kanton Zürich sind über 250 MPA-Stellen offen. Gleichzeitig liegen die MPA-Löhne 2025/26 bei rund CHF 4'400 bis 5'800 pro Monat — Telefonarbeit ist damit die teuerste Routineaufgabe der Praxis. Praxen haben drei Hebel: MPAs halten und weiterbilden, Prozesse verschlanken, und planbare Telefonarbeit automatisieren.

Wie gross ist der MPA-Mangel wirklich?

Die belastbarste Zahl stammt aus einer Studie des Forschungsinstituts INFRAS im Auftrag des Kantons Zürich: Dort fehlen rund 12 MPAs pro 100 berufstätige Ärztinnen und Ärzte. Anders formuliert: Auf gut acht Ärztinnen kommt rechnerisch eine unbesetzte MPA-Stelle.

Absolut betrachtet sind allein im Kanton Zürich über 250 MPA-Stellen offen. Der Kanton Zürich ist der grösste Arbeitsmarkt des Landes — aber kein Sonderfall. Berichte über Besetzungsschwierigkeiten kommen aus der ganzen Deutschschweiz, besonders aus ländlichen Regionen. Wie sich der Mangel im Praxisalltag anfühlt und warum ausgerechnet das Telefon dabei zum Engpass wird, beschreibt unser Artikel Arztpraxis: Wenn das Telefon zum Engpass wird.

Für Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber bedeutet der Mangel zweierlei: Offene Stellen bleiben monatelang unbesetzt, und die verbleibenden MPAs tragen die Mehrlast. Genau diese Mehrlast ist der Punkt, an dem viele Teams kippen — Überstunden führen zu Abgängen, Abgänge zu noch mehr Überstunden.

Was verdient eine MPA 2026 — und was kostet das Telefon?

Gemäss der Lohntabelle 2026 von medicjobs.ch und den Lohnempfehlungen der FMH verdienen MPAs in der Schweiz 2025/26 je nach Erfahrung und Region rund CHF 4'400 bis 5'800 brutto pro Monat.

Zum Bruttolohn kommen die Arbeitgeberkosten: AHV/IV/EO, Pensionskasse, Unfall- und Krankentaggeldversicherung, 13. Monatslohn, Ferien und Absenzen. Wie diese Vollkostenrechnung im Detail aussieht, zeigt der Artikel Kosten einer Empfangskraft in der Schweiz: Die Vollkostenrechnung 2026 — die Mechanik ist bei MPAs dieselbe.

Daraus folgt eine unbequeme Rechnung: Schon ein 20-Prozent-Pensum, das ausschliesslich das Telefon abdeckt, kostet vollkostengerechnet über CHF 1'000 pro Monat. Die vollständige Herleitung mit Beispielen für Arztpraxis, Physiotherapie und Treuhand steht im Artikel Was kostet das Telefon in Stellenprozenten?

Im MPA-Mangel hat diese Rechnung eine zweite Dimension: Es geht nicht nur ums Geld, sondern um die Frage, wofür die knappste Ressource der Praxis eingesetzt wird. Jede Stunde, die eine ausgebildete MPA mit Terminverschiebungen am Telefon verbringt, fehlt am Empfang, im Labor und bei den Patienten.

Wie viel Telefonarbeit fällt überhaupt an?

Für die Schweiz gibt es kaum publizierte Zahlen zum Anrufvolumen in Praxen. Die besten verfügbaren Daten stammen aus Deutschland und sind als Vergleichswerte zu lesen:

Übertragen auf Schweizer Verhältnisse heisst das: In einer Praxis mit vergleichbarem Volumen bindet das Telefon rund einen Viertel einer Vollzeitstelle — und trotzdem geht ein erheblicher Teil der Anrufe verloren. Der Mangel verschärft beides gleichzeitig: weniger Hände am Telefon, mehr verlorene Anrufe.

Handlungsoption 1: MPAs halten und gezielt einsetzen

Die wichtigste Massnahme im Mangel ist banal und schwer zugleich: die bestehenden MPAs halten. Marktgerechte Löhne (siehe FMH-Empfehlungen und medicjobs-Lohntabelle), verlässliche Arbeitszeiten und Weiterbildungsperspektiven sind die Basis.

Der unterschätzte Hebel ist der Aufgabenzuschnitt. MPAs nennen die ständigen Telefonunterbrechungen regelmässig als Hauptbelastung — nicht die Menge der Arbeit, sondern die Unmöglichkeit, irgendetwas am Stück zu erledigen. Wer die MPA-Rolle attraktiver machen will, nimmt ihr zuerst die Daueralarmbereitschaft am Telefon. Konkrete Massnahmen dafür sammelt der Artikel MPA am Telefon entlasten: Was Praxen wirklich hilft.

Handlungsoption 2: Prozesse verschlanken

Bevor neues Personal gesucht oder Technik eingeführt wird, lohnt der Blick auf die Abläufe:

  • Telefontriage dokumentieren: Feste Regeln pro Anrufkategorie verkürzen Gespräche und Entscheidungswege. Als fachliche Referenz dient das MPA-Telefontriage-Handbuch von Kinderärzte Schweiz.
  • Planbare Anliegen vom Telefon wegverlagern: Rezeptverlängerungen und Berichtsanfragen gehören in ein Formular, nicht in die Warteschleife.
  • Rückruffenster einführen: Zwei feste Fenster pro Tag bündeln Rückrufe und schützen die übrige Arbeitszeit.

Diese Fixes kosten nichts, brauchen aber Disziplin — und sie lösen die Spitzenzeiten, die Mittagspause und die Randzeiten nicht.

Handlungsoption 3: Telefonarbeit automatisieren

Der dritte Hebel setzt dort an, wo Prozess-Fixes aufhören: Ein KI-Telefonassistent nimmt Anrufe an, wenn das Team nicht kann — bei Überlauf, über Mittag, nach Praxisschluss und bei Ausfällen. Er beantwortet Routinefragen, vereinbart Termine direkt im Kalender und fasst jedes Gespräch per E-Mail oder SMS zusammen. Die Einsatzmuster im Detail beschreibt der Artikel KI-Telefon als Ergänzung: Überlauf, Randzeiten, Ferien.

Wichtig ist die Einordnung: Automatisierung ersetzt im MPA-Mangel keine Fachkraft — sie ersetzt die unbesetzbare Stelle. Wenn eine Praxis seit Monaten erfolglos sucht, ist die Alternative zum KI-Assistenten nicht die zusätzliche MPA, sondern der unbeantwortete Anruf.

Zur Kosteneinordnung: Bei fonea beginnt das Basic-Abo bei CHF 90 pro Monat mit 120 Minuten Gesprächszeit, monatlich kündbar, ohne Mindestlaufzeit. Alle dauerhaften Daten werden in der Schweiz gespeichert, die KI-Verarbeitung erfolgt transient in Europa. Was das für eine Arztpraxis konkret bedeutet, zeigt der Überblick KI-Telefonassistent für Arztpraxen in der Schweiz.

Die unbesetzte Stelle überbrücken

fonea nimmt Praxisanrufe an, wenn niemand abnehmen kann — bucht Termine, beantwortet Routinefragen und fasst jedes Gespräch zusammen. Ab CHF 90 pro Monat.

Key Takeaways

  • INFRAS-Studie für den Kanton Zürich: rund 12 fehlende MPAs pro 100 Ärztinnen und Ärzte, über 250 offene Stellen allein im Kanton Zürich.
  • MPA-Löhne 2025/26: rund CHF 4'400 bis 5'800 brutto pro Monat (medicjobs.ch-Lohntabelle, FMH-Empfehlungen).
  • Ein 20-Prozent-Telefonpensum kostet vollkostengerechnet über CHF 1'000 pro Monat.
  • Deutsche Vergleichsdaten: rund 950 bis 1'000 Anrufe und etwa 45 Stunden Telefonzeit pro Praxis und Monat; 30 bis 40 Prozent der Anrufe bleiben unbeantwortet.
  • Drei Hebel: MPAs halten und entlasten, Prozesse verschlanken, planbare Telefonarbeit automatisieren.
  • Im Mangel ersetzt Automatisierung keine Fachkraft, sondern die Stelle, die sich nicht besetzen lässt.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele MPAs fehlen in der Schweiz?

Für den Kanton Zürich beziffert eine INFRAS-Studie die Lücke auf rund 12 fehlende MPAs pro 100 berufstätige Ärztinnen und Ärzte; über 250 MPA-Stellen sind allein dort offen. Gesamtschweizerische Zahlen mit gleicher Präzision fehlen, die Berichte über Besetzungsschwierigkeiten ziehen sich aber durch alle Regionen.

Was verdient eine MPA in der Schweiz 2026?

Je nach Erfahrung, Region und Verantwortung rund CHF 4'400 bis 5'800 brutto pro Monat (Quelle: medicjobs.ch-Lohntabelle 2026, FMH-Lohnempfehlungen). Für die Praxis kommen darauf noch die Arbeitgeberkosten — Sozialversicherungen, 13. Monatslohn, Ferien und Absenzen.

Kann ein KI-Telefonassistent eine fehlende MPA ersetzen?

Nein — und das ist auch nicht das Ziel. Der Assistent übernimmt die Anrufannahme, Terminbuchung und Routineauskünfte, also den Teil der Arbeit, der keine medizinische Fachperson erfordert. Die fachliche Arbeit bleibt beim Team. Der realistische Vergleich lautet nicht "KI statt MPA", sondern "KI statt unbeantworteter Anruf", solange die Stelle unbesetzt ist.

Was kostet Telefon-Automatisierung im Vergleich zu Personal?

Ein 20-Prozent-Pensum nur fürs Telefon kostet vollkostengerechnet über CHF 1'000 pro Monat. Ein KI-Telefonassistent beginnt bei fonea bei CHF 90 pro Monat mit 120 Minuten Gesprächszeit, monatlich kündbar. Die Detailrechnung steht im Artikel Was kostet das Telefon in Stellenprozenten?, Ihre eigene Situation rechnen Sie im ROI-Rechner durch.

Womit sollte eine Praxis anfangen?

Mit Messen: eine Woche Anrufprotokoll (Anzahl, Anliegen, Zeitfenster, verpasste Anrufe). Danach die Triage dokumentieren und planbare Anliegen vom Telefon wegverlagern. Erst dann entscheidet sich sinnvoll, ob und wo Automatisierung ansetzt — meist zuerst bei Mittagspause und Überlauf.

Quellen

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